Lesung von Arzu Toker: Kein Schritt zurück – Frauen im Islam

img_7853Im Rahmen der Interkulturellen Woche lud die GBS Mainz/Rheinhessen e.V. am vergangenen Donnerstag, dem 15. September, zu einer Lesung von Arzu Toker aus ihrem im Vorjahr erschienenen Buch Kein Schritt zurück ein. Die Lesung fand in den Räumlichkeiten der Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz statt. In der Lesung setzte sich die Schriftstellerin und Journalistin kritisch mit dem islamischen Verständnis von „Ehre“ und dessen gesellschaftlichen Folgen für Frauen und Männer auseinander. Sie erläuterte, warum der vom Islam geprägte Ehrbegriff eine Bedrohung elementarer Freiheitsrechte vieler Frauen, die aus einem islamisch geprägten Kulturkreis stammen, darstellt und gab Einblick in das Leben türkischer Gastarbeiter zwischen den religiös-kulturellen Erwartungen ihrer alten und neuen Heimatländer. Vielen Menschen ist nicht bekannt, dass die erste Generation türkischer Gastarbeiterinnen, die nach Deutschland kamen, um dort Geld für ihre in der Türkei verbliebenen Familien zu erwirtschaften, von religiösen Moralvorstellungen und dem islamischen Ehrbegriff weit weniger eingeschränkt waren, als dies heutzutage der Fall ist. Oftmals führten sie ein – auch in sexueller Hinsicht – freies und selbstbestimmtes Leben, das gerade auch im Vergleich zu den Lebensverhältnissen vieler deutscher Hausfrauen in den 60er Jahren als fortschrittlich und emanzipiert gelten darf.
img_7855Toker hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für Selbstbestimmung und Freiheit und gegen religiöse Gruppenidentitäten und patriarchale Herrschaftskulturen. Sie erläuterte, wie religiöse Moralvorstellungen nicht nur einzelne Individuen, sondern ganze Gesellschaften unfrei machen. Auch auf die aktuelle Lage in der Türkei, die Bedeutung der Gülen-Bewegung und die Problematik der finanziellen Förderung islamischer Verbände durch den Staat, durch welchen nicht Integration sondern ein religiös-antifreiheitliches Welt- und Menschenbild gefördert wird, ging Toker ein.
Im Anschluss an die sehr gut besuchte Lesung fand eine rege Diskussion zwischen Publikum und Autorin statt, welche im nahegelegenen Haus des Weins fortgesetzt wurde.

Thorsten Barnickel

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