Zur Neuauflage von Karlheinz Deschners Opus Diaboli bei Alibri

von Gabriele Röwer

Karlheinz Deschner: Opus diaboliDer Alibri Verlag bringt aktuell als vierten Band seiner Deschner-Edition den Klassiker Opus diaboli neu heraus. Die fünfzehn „unversöhnlichen Essays über die Arbeit im Weinberg des Herrn“ vermitteln in nuce die Essenz des umfangreichen kirchenkritischen Gesamtwerks von Karlheinz Deschner, wie dieses sprachlich brillant und, obwohl erstmals 1987 publiziert, unvermindert  brisant.

Wie sehr die selbsternannten „Stellvertreter Christi auf Erden“ seit dem Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion im 4. Jahrhundert das Friedens- und Armutsideal des synoptischen Jesus ins krasse Gegenteil verkehrten, nicht zuletzt mithilfe der  sogenannten Konstantinischen Schenkung – der größten weltgeschichtlichen Fälschung, so Deschner, „gewaltigster Auftakt ungezählter geistlicher Gaunereien des Mittelalters“ –, beleuchtet er in Man nennt es Heilsgeschichte und „Weide meine Lämmer!“ sowie, für die neueste Zeit, in Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert. Durch die Mitschuld Roms an beiden Weltkriegen und die Etablierung der faschistischen Regime in Italien und Deutschland, Spanien und Kroatien – theologisch vielfach rechtfertigt, siehe Michael Schmaus – einer statt vieler – sieht er die Catholica nicht minder belastet als durch all die Massaker zuvor, die Heidenschlächtereien und Ketzerjagden, die Judenpogrome  und Hexenverbrennungen, die Abschlachtung von Indianerstämmen im Zuge der Missionierung Südamerikas – siehe Ein Papst reist zum Tatort –, die finanzielle Ausblutung der Gläubigen hierzulande, gefügig gemacht durch eine extrem repressive Sexualmoral mit Höllenandrohungen bei Zuwiderhandlung, siehe Sexualität und Christentum. Gipfel klerikaler Doppelmoral: Maria, die Gottesmutter, Heilige und Kriegsgöttin, zumal im antikommunistischen Kampf, siehe Morden mit Maria.

Die christlichen Kirchen, von Beginn an „verschmolzen“ mit Krieg und Kapital – siehe „Macht ist alles“ – , weiß Deschner indes nicht nur pazifistisch und sozial gesehen tödlich diskreditiert, sondern auch unter dem Aspekt der Wahrheit. „Denn es stimmt doch alles schon mit ihren Glaubensfun­damenten nicht!“, dies, ausführlich dargelegt in Abermals krähte der Hahn und Der gefälschte Glaube, in den Spuren historisch-kritischer Forschung moderner Theologen, ein Resümee in Écrasez l’infâme oder Über die Notwendigkeit, aus der Kirche auszutreten. Gebe es doch im Christentum „absolut nichts, was nur den geringsten Anspruch hätte auf geistes- oder religionsgeschichtliche Originalität“. Von seinen zentralsten Gedanken bis zum periphersten Brauch sei alles von „Heiden“ oder Juden rezipiert – womit sich die Frage einer Reform „eigentlich von selbst erledige“, siehe Den Progressisten Gruß zunächst im Eingang der Essaysammlung. Sie mündet in die Alternative für Weihnachten, worin Karlheinz Deschner die Kritik auch dieses Bandes an jeglicher „Heuchelei im Heiligenschein“ satirisch auf den Punkt bringt.

Das Werk kann derzeit noch beim Verlag zum Subskriptionspreis bestellt werden.

 

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