MIZ 1/17: Luderjahr & lutherische Kirche

Unmittelbar vor dem evangelischen Kirchentag wurde MIZ 1/17 ausgeliefert – mit dem Schwerpunkt „Lutherjahr“. Allerdings hat die Redaktion einen etwas weiteren Blickwinkel gewählt und verbindet die Überlegungen zu 500 Jahren Reformation mit der Reflexion eines im kommenden Jahr anstehenden Jahrestags: Denn 1918 wurden die evangelischen Kirchen in Deutschland in die Freiheit entlassen; die Novemberrevolution und die im Jahr darauf verabschiedete Verfassung beendeten das landesherrliche Kirchenregiment, das Thron und Altar fest zusammengeschweißt hatte. Seitdem war die evangelische Kirche wirklich frei in ihren Entscheidungen…
Das ganze Jahr über soll das Thema unter #Luderei 2017 behandelt werden, sollen Autorinnen und Autoren der Frage nachgehen, wie sich die Freiheit der Christenmenschen politisch niedergeschlagen hat. Den Anfang macht im aktuellen Heft Karsten Krampitz, der die starke Bindung der Protestanten an Römer 13, also den Gehorsam gegenüber der Obrigkeit, als zentrales Problem der evangelischen Kirchen im 20. Jahrhundert darstellt. Was Luther selbst angeht, nimmt Bernd Kammermeier dessen Antisemitismus in den Blick.
Gewissermaßen als Nachtrag zur Debatte, was an Stillen Tagen wem erlaubt sein soll, schlägt Rainer Ponitka einige Änderungen vor, die er beispielhaft anhand des nordrhein-westfälischen Feiertagsgesetzes ausarbeitet. Ziel sollte ein moderner Feiertagsschutz sein, der allen ermögliche, an arbeitsfreien Tagen „ihre ‘seelische Erhebung’ auf individuelle Art zu finden“.
Als Nachbetrachtung zur französischen Präsidentschaftswahl stellt Bernard Schmid François Fillon als Kandidaten der religiösen Rechten vor. Dem rechten Spektrum widmet sich auch der Beitrag Christoph Baumgartens. Er untersucht vor allem an österreichischen Beispielen, wie rechte Medien koordiniert Scheindebatten anzetteln.
Wiederum auf einen Jahrestag nimmt Ansgar Martins Bezug, wenn er Rudolf Steiners „Dreigliederung des Sozialen Organismus“ vorstellt. Diese stellte der Begründer der Anthroposophie 1917 erstmals vor, und bis heute wird – in unterschiedlichen politischen Spektren – immer wieder darauf Bezug genommen.
Als Debattenbeitrag versteht sich Gunnar Schedels Text „Humanismus für alle“. Er antwortet auf eine der Thesen, die Horst Groschopp im letzten Heft der MIZ aufgestellt hat, und versucht, eine politische Begründung für die Zurückhaltung organisierter Atheistinnen und Atheisten dem Verbands-Humanismus gegenüber zu geben.
Weitere Informationen und eine Artikelauswahl auf der MIZ-Webseite; Bestellmöglichkeit auf unserer Verlagsseite.

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