„Die Kirchen müssen die Heimkinder entschädigen“

Das ehemalige Heimkind Alexander Markus Homes fordert Aufklärung und Entschädigung

Aschaffenburg – Anlässlich der Ausstrahlung des Filmes „Und alle haben geschwiegen“ fordert das ehemalige Heimkind Alexander Markus Homes, dass die Kirchen endlich Verantwortung für die Gräuel übernehmen, die den Heimkindern angetan wurden. „Es ist völlig inakzeptabel, dass trotz der bekannten Fakten die Kirchen sich noch immer aus der Verantwortung stehlen. Es findet keine umfassende Aufklärung statt und die Kirchen sind auch nicht gewillt, die Opfer angemessen für das erlittene Leid zu entschädigen“, so Homes.Der Buchautor von „Prügel vom lieben Gott“, dessen Erstveröffentlichung 1981 maßgeblich zum Bekanntwerden der Missstände in den christlichen Heimen beitrug, sieht aber nicht nur die Kirchen in der Verantwortung: „Es ist beschämend mit ansehen zu müssen, wie staatliche Institutionen mit der Frage der Heimkinder und mit dem Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen umgehen.“ Weder der Runde Tisch Heimerziehung noch der Runde Tisch Sexueller Kindesmissbrauch hätten laut Homes akzeptable Ergebnisse gebracht. „Es ist höchste Zeit, dass die Kirchen endlich offen legen, wer damals bei Misshandlungen und sexueller Gewalt wegschaute oder die Täter durch Schweigen gedeckt hat. Wenn die Kirchen das nicht von alleine hinkriegen, muss der Staat ihnen auf die Sprünge helfen.“

Große mediale Aufmerksamkeit erregte bereits die Neuauflage des Buches Prügel vom lieben Gott  im September 2012. In einem langen, aktuellen Vorwort hatte Homes Fragen zur Aufarbeitung des Heimkinder-Skandals aufgeworfen. Die im Buch geäußerte Kritik am Verhalten seiner früheren Heimleitung unter dem heutigen Limburger Generalvikar Kaspar animierte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu weiteren Recherchen und einem eigenen Artikel. In den folgenden Tagen berichteten Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine, Wiesbadener Kurier, Frankfurter Neue Presse und Nassauische Neue Presse. Das Bistum Limburg reagierte auf den Spiegel-Artikel wie nicht anders zu erwarten, seit dort der autoritäre Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst thront: Zugegeben wird nur, was ohnehin nicht mehr zu verbergen ist, und den Medien werden unverhohlen die Folterwerkzeuge (in Form einer Unterlassungserklärung) gezeigt; Bereitschaft zur Aufklärung ist in der Erklärung hingegen schwerlich zu entdecken.
In einem Interview mit dem Humanistischen Pressedienst spricht Autor Homes über sein Buch, „Schwarze Pädagogik“ und den Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema.

Alexander Markus Homes: Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie. Alibri, 2012. 141 Seiten, kartoniert, Euro 12,50, ISBN 978-3-86569-023-4

Pressekontakt: Alibri Verlag, Frank Welker frank.welker@alibri.de Fon (06021) 581 734


Ebenfalls bei Alibri zum Thema Heimkinder ist von Rolf Cantzen der Sammelband Ich bin hinter dir. Katholische Internatsgeschichten erschienen.

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