Eine Kneipenlesung im Aschaffenburg

von Reinhold Ziegler

„Kneipiger“  könnte eine Atmosphäre nicht sein: Nur ein paar Kerzen erhellen den Raum, Bierflaschen und Gläser auf den Tischen, die Bar umlagert von Menschen jeden Alters, die darauf warten, dass hier im Gasthof Stern gleich eine Lesung beginnt, die sich mit genau dem beschäftigt: Kneipen.

Reinhold ZieglerLSG301120130003

Die AutorInnen bei der Lesung (Foto: Reinhold Ziegler)

Marion Marxen, Michael Seiterle und Alex Sonntag stellen zum ersten Mal ihr gemeinsames Buch vor: Einstein im Gully – Aschaffenburger Kneipengeschichten.

Seiterle erklärt zu Beginn die Rahmenvoraussetzungen, unter denen die drei Autoren anfingen, die neun Geschichten zu konstruieren: Sie sollten in neun Kneipen der Stadt spielen, alle am gleichen verregneten Samstag, und sollten über einige gemeinsame Ereignisse und Personen untereinander verbunden sein.

Ein interessantes Konzept, das unter den Zuhörern im vollbesetzten Stern durchaus Neugier hervorruft, zumal Seiterle betont, natürlich seien alle Personen frei erfunden, dennoch könnte man den einen oder anderen vielleicht erkennen…

Die Autoren lesen abwechselnd, manchmal mit verteilten Rollen. Langweilig wird es nie, schaffen es die Geschichtenschreiber doch, vor der Auflösung jeder Geschichte mit dem Hinweis, wie es weitergehe, könne und müsse man leider im Buch selbst nachlesen, die Spannung zu halten. Und so erfährt an diesem Abend niemand, wie sich zum Klassentreffen im Einstein ein Toter anmelden konnte, wer die von Büchern bedeckte Leiche im Café Krem auf dem Gewissen hat, warum es im Domus fast wie in Wien ist und was die namenlose Protagonistin der Geschichte Sommerregen mit dem Kellner der Weinstube Kitz in der Nacht zuvor erlebt hatte.

Die Aufforderung, zur Auflösung aller Rätsel das Buch zu lesen, führt auch zu guten Verkäufen am Büchertisch des Aschaffenburger Alibri -Verlages, so dass am Ende des Abends Autoren, Zuhörer wie Verleger zufrieden das genießen können, worum es in Kneipen geht: Sitzen, Quatschen, Trinken.

Der Gasthof Stern, seit Frühjahr vom autonomen Kulturverein Stern e.V. verwaltet und betrieben, hat mit dieser zweiten Lesung vor vollem Haus (ein paar Tage zuvor hatten schon drei Punk-Literaten mit witzig-nachdenklichen Beiträgen einen hörenswerten Abend abgeliefert) bewiesen, dass sich der Stern auch wunderbar für Literaturveranstaltungen eignet. Neben dem monatlich stattfindendem Autoren- und Bücherfreunde-Stammtisch und dem gemeinschaftlich im Internet entstehenden Fortsetzungsroman sind für die Zukunft weitere Highlights aus dem Bereich Literatur geplant.

Dieser Beitrag wurde unter Veranstaltungen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.