Interview mit Rolf Bergmeier auf hpd

„Der Begriff christliche Leitkultur ist gleichermaßen falsch und schädlich“, lautet eine der Kernaussagen, die Rolf Bergmeier im Interview mit dem Humanistischen Pressedienst über sein neues Buch Christlich-abendländische Kultur – Eine Legende äußert. In dem Gespräch erläutert der Historiker seinen Vergleich zweier Kulturen, die auf das Römische Imperium folgten: die Kultur des christlichen, fränkischen Westeuropa und die islamisch-arabische Kultur an den Ost- und Südküsten des Mittelmeeres sowie in Spanien. Dem „christlichen“ Abendland stellt er eine „dreifache Geburt“ Europas entgegen: zunächst als im klassischen Athen die Vernunft die Orakelsprüche ersetzt; dann als die arabische Kultur, die das antike Wissen auf vielen Gebieten bewahrt und weiterentwickelt hat, ab dem 11. Jahrhundert Europa befruchtet und die Renaissance vorbereitet; schließlich als die Aufklärung die bürgerlichen Revolutionen einleitet. In der im tatsächlichen Sinne „christlichen“ Phase hingegen sieht Bergmeier einen dramatischen Kulturverfall in Westeuropa, den er durch einen Blick nach Bagdad und Cordoba illustriert.
Auch wenn das Buch ein Geschichtsbuch ist, enthält es für den Autor doch eine politische Botschaft. Denn die Überlegenheit der islamischen Kultur lebt von identifizierbaren Voraussetzungen, zu denen unter anderem Toleranz und das Interesse für die Welt gehören. Als seit dem 11. Jahrhundert zunehmend fundamentalistische Kräfte die Oberhand gewinnen, schwindet der kulturelle Vorsprung der islamischen Welt; Sakralisierung führt zu Erstarrung. Für Bergmeier bedeutet dies: „Die historische Lehre aus diesem Desaster lautet: Wehret den Fundamentalisten den Zugang zum Staat.“

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