Call for Articles | Themenschwerpunkt MIZ 4/2014 „Ist Glaube gesund?

Die Redaktion der in unserem Verlag erscheinenden Zeitschrift MIZMaterialien und Informationen zur Zeit. Politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistINNen, FreidenkerInnen, HumanistInnen und SkeptikerInnen erscheint vierteljährlich. Für die vierte Ausgabe (Erscheinungstermin Januar 2015) sucht die Redaktion Autor/innen zum Verhältnis von Medizin und Religion. Die zentrale Frage der Ausgabe lautet: „Ist Glaube gesund?“. Gefragt sind kurze, allgemein verständliche Beiträge aus medizinischen Bereichen (Medizinsoziologie, Medizinethik o.ä.), die sich qualitativ oder quantitativ mit den folgenden oder ähnlichen Fragestellungen beschäftigen.-‚Macht religiöser Glaube gesünder? Existiert ein Zusammenhang zwischen Frömmigkeit und Gesundheit? Welche Annahmen liegen dem zugrunde und was steckt hinter der These „Gläubige hätten ein besseres Immunsystem und Blutdruckwerte“? Gibt es Untersuchungen für die Gegenhypothese: Werden ‚Ungläubige’ und ‚Atheisten’ häufiger krank und haben gar eine geringe Lebenserwartung?

-‚Wunder’ und ‚Spontanheilungen’ sind keine modernen Phänomene. Der Zusammenhang von Glaube und Heilung spielt nicht allein in vorzeitlichen Naturreligionen oder religiöser Mythenschreibung eine Rolle. Welche psychologischen und psychosozialen Aspekte bedienen derartige Phänomene? Welche rationalen Erklärungsmuster liegen diesen zugrunden? Und wie werden rationale Erklärungsmodelle innerhalb der Debatte um die Aussage ‚Gläubige sind oder leben gesünder’ diskutiert?

-Im Schamanentum und im Heiligenkult (‚Heilige als Heiler’) verkörpern Personen heilende Funktionen und verquicken die Vermittlung und Traditionspflege von medizinisch heilendem Wissen mit spirituell rituellen Handlungen in einer Person. Welche kulturgeschichtlichen Aspekte lassen sich benennen und welche psychologischen und psychosozialen Bedingungen – beispielsweise aus der Ritualforschung – stehen in mittelbarem oder unmittelbarem Zusammenhang (z. B. Stichwort: Sinnstiftung / Gemeinschaftsstiftung)?

-Das Verhältnis zwischen Religion und Medizin wurde in der Vergangenheit und der Gegenwart charakterisiert durch die Dichotomie Natur & Mensch. Wissenschaftsgeschichtli­che Ansätze oder Analysen zum medizinischen Materialismus und ‚Szientismus/Scientismus’ oder ‚Medizin als religiöses Glaubenssystem’ sind erwünscht.

-Der Arzt übernimmt in modernen Gesellschaften die Rolle der vertrauenswürdigen Autorität. Polemisch gefragt: Brauchen wir Ärzte, an die wir glauben können wie an wundertätig heilende Heilige oder gar den Papst? Und warum vertrauen immer weniger Menschen der sog. Schulmedizin und suchen Hilfe in der Paramedizin?

-Aus medizinsoziologischer Sicht ist ebenso ein Beitrag zu den gesellschaftlichen Faktoren wünschenswert. Dieser könnte sich mit dem Fragenkomplex um den Zuwachs an spiritueller Sinngebung und Freizeitangeboten und der verstärkten ‚Reaktivierung’ von ‚Körper-Geist-Gesundheit’/’Leib-und-Seele-Idiom’ (Natur vs. Chemie) befassen. Mögliche weitere Diskussionsbeiträge können sich mit dem Verweigern von medizinischen Eingriffen aus Glaubensgründen und dem Einzug von Heilverfahren mit religiösen Referenzen in die sog. Schulmedizin beschäftigen.

-Von Interesse ist ebenso der gesellschaftspolitische und ethische Aspekt, auf welche Art und Weise konfessionsgebundene Kranken- und Pflegeeinrichtungen ihre eigene(n) Politik(en) zur Medizin machen (Bsp. die verwehrte Untersuchung im Kölner Fall), sich erschaffen und strukturell festigen? Welche Praktiken und Strategien stehen hinter dieser Politik?

-Folglich könnte der Aspekt Medizinethik vs. christliche Ethik diskutiert werden. Wer macht Medizinethik und mit welchen Begründungen? Und wie wird und vor allem von wem das vermeintliche Verständnis von Medizinethik hergestellt? Welche sog. medizinethnische Argumentation oder welches Verständnis von christlicher Argumentation steht dahinter? Ein Blick auf die Argumentationsmuster unter Zuhilfenahme bestimmter Begrifflichkeiten oder mit direkten Verweisen auf „christliche Ethik“, beispielsweise bekannter medizinethischen Autoren zum Thema Lebensende, ist gefragt.

-Religionsgeschichtlich lagen „Heil und Heilung“ und die Vorstellung vom Gesund-Sein – geheilt – als Vorstellung von Wiederherstellung körperlicher Funktionalität nah beieinander. Dahinter stehen Konzepte des ‚ganzen’ Körpers und die Vorstellung, was krank ist. Wie wird Krankheit abhängig von soziokultureller Prägung konstruiert, insofern
religiöse Sozialisation in die Fragestellung aufgenommen wird? Mögliche Themenspektren können einerseits die Pathologisierung des Menschen und Klassifizierung von Erkrankungen nach religiösen oder esoterischen Vorstellungsschemata umfassen. Andererseits jedoch im Hinblick auf ‚Diversity’-Diskurse diskutiert werden (Stichworte: Medikation bezogen auf individuelle Unterschiede bzw. Gruppen; Ethnomedizin; Enhancement – ‚Optimierung unserer Körper’ oder mit dem Bogen zum Thema was ist/kann „die Medizin“?

Ein kurzes Papier mit einem Vorschlag von max. 1000 Zeichen bitte bis spätestens 31.05.2014 an redaktion@miz-online.de  senden. Die Beiträge selbst sollten max. 10.000 Zeichen (inkl. Fußnoten & Leerzeichen) sowie eine AutorInnennotiz umfassen und müssen der Redaktion bis spätestens 31.10.2014 vorliegen. Die Einreichung als Textdokument an redaktion@miz-online.de schicken oder via Post (digitaler Datenträger) an Alibri Verlag, MIZ-Redaktion, Postfach 100 361, 63703 Aschaffenburg.

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