HU-Geschäftsführer Sven Lüders gibt den Wulff

Nicht nur große weltgeschichtliche Tatsachen ereignen sich sozusagen zweimal, auch Peinlichkeiten wiederholen sich ab und an in verblüffend ähnlicher Weise. So ist Sven Lüders, derzeit Geschäftsführer der ältesten deutschen Bürgerrechtsorganisation, der Humanistischen Union (HU), im März mit einer etwas delikaten Forderung an die Redaktion der Zeitschrift MIZ herangetreten: Das Politische Magazin für Konfessionslose und AtheistINNen solle – kostenlos – eine Anzeige für die aktuelle Ausgabe der vorgänge abdrucken; andernfalls sehe er sich gezwungen, eine Gegendarstellung gegen einen Beitrag aus MIZ 3/13, der Anfang November erschienen war, durchzusetzen.
Bei dem betreffenden Text handelt es sich um ein Interview, eine Textsorte, bei der die Unterscheidung zwischen Tatsachenbehauptung und subjektiver Einschätzung nicht immer leicht vorzunehmen ist. Auf die freundliche Bitte des MIZ-Chefredakteurs, die betreffenden falschen Aussagen mitzuteilen, erreichte die Redaktion ein längeres Schreiben, das Anlass zu der Vermutung gab, Herrn Lüders sei möglicherweise gar nicht bekannt, was eine Gegendarstellung ist. Denn anstatt fehlerhafte Tatsachenbehauptungen zu korrigieren, bemühte sich Herr Lüders, der Redaktion zu erklären, was der Interviewpartner zwar nicht gesagt, aber „wohl“ gemeint habe, dass dies eine völlig falsche Sicht der Dinge darstelle und der Interviewte im Übrigen ollalla ein ganz schlimmer Finger sei.
Hintergrund ist ein Konflikt innerhalb der HU, der sich unter anderem um religionskritische Positionen des damaligen Frankfurter Ortsverbands drehte, und in dessen Verlauf sich entschieden laizistische HU-Mitglieder „Atheismustaliban“ nennen lassen mussten. MIZ hatte Stellung für die so Bezeichneten bezogen, über die Auseinandersetzungen berichtet und zwei Ausgaben später den ehemaligen Frankfurter HU-Frontmann interviewt. Dabei kam auch Kritik an Sven Lüders zur Sprache.
Wir wissen nicht, ob der derzeitige Geschäftsführer der Humanistischen Union, der ältesten deutschen Bürgerrechtsorganisation, die Bedeutung des Wortes „Hofberichterstattung“ kennt. Und wir wollen gar nicht darüber nachdenken, ob wir es hier mit der Tragödie oder der Farce zu tun haben…

Dieser Beitrag wurde unter Hintergrund veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.